Die Gemeinde Albsfelde

Was ? Sie kennen Albsfelde nicht ?! Wir stehen immer ganz oben auf der Einwohnerliste unseres Kreises Herzogtum Lauenburg - als die ersten im Alphabet. Von der Einwohnerzahl her rangieren wir mit unseren ca. 50 Bürgerinnen und Bürgern weit hinten, sind aber dennoch nicht die kleinste Gemeinde im Kreis. Bei unserer Grundfläche sieht das schon wieder anders aus ! Da können wir es dank unserer 418 Hektar mit Grabau (410 Hektar, 254 Einwohner) aufnehmen! Bebaut ist der kleinste Teil. Landwirtschaftlich genutzte Flächen mit 150 Hektar und Waldgebiete im Norden und Süden mit 255 Hektar bestimmen unsere Umgebung und machen damit auch einen Großteil des Charmes dieser Gemeinde aus: Wir wohnen mitten in der Natur. Zum Charme gehört auch die bereits erwähnte geringe Einwohnerzahl.

Bei 70 stimmberechtigten Bürgern erreichen wir nicht die für einen Gemeinderat erforderliche Basis. Infolgedessen sind alle volljährigen Einwohner auf der beschlussgebenden Gemeindeversammlung stimmberechtigt: Ein Thing wie bei den alten Germanen! Lange Zeit hatten wir gar keinen Raum für soviel Leute. Bei wichtigen Entscheidungen wie etwa über den Anschluss an die zentrale Wasserversorgung mussten wir „ins Ausland“ gehen, nach Fredeburg in den Fredenkrug. Das war 1978. Jetzt tagen wir im ehemaligen Kuhstall unseres weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gewordenen ehem. Bürgermeisters Wilhelm Bohn, dem Mann mit der seltenen 50jährigen Amtszeit.

Unterstützt wird der jeweilige Bürgermeister durch 2 Stellvertreter. Zuarbeit leisten noch Ausschüsse für Bau- und Wegeangelegenheiten, Aktionen und Umwelt sowie zur Prüfung der Jahresrechnung. Fester Bestandteil des Gemeindelebens ist das alljährliche Dorffest zur Sommer-Sonnenwende. In erster Linie ist es ein gemeinsames Essen, möglichst unter freiem Himmel. Dabei besteht ausgiebig Gelegenheit zum Klönen (und das möglichst auf Platt), man kommt alltags durch die jeweilige berufliche Einbindung kaum dazu. Von den Ruheständlern abgesehen, arbeiten die wenigsten Bewohner noch ganztägig im Dorf. Auffallend viele Schulmeister haben sich in dieser Idylle angesiedelt und pendeln z.T. bis nach Hamburg. Einige Freiberufler arbeiten im Ort an ihren Schreibtischen und gehen von hier aus ihrem jeweiligen Gewerbe nach. Das kann sie u.U. bis an die polnische Grenze führen.

Kreisweit ein Begriff ist das kleine Entsorgungsunternehmen für Wespen- und Hornissennester. Bekannt ist Albsfelde in den umliegenden Städten als Lieferstätte für Weihnachtsbäume. In vergangenen Jahrhunderten waren die Albsfelder Fichten begehrte Segelschiffsmasten. Das milde Klima ließ keinen Kronenbruch durch Schnee- oder Eisbelastung aufkommen. Auf dem mit Grundwasser gut versorgten eiszeitlichen Spülfeld, der Sanderfläche vor dem bei Schmilau-Farchau abgeschmolzenen Ratzeburger See- Gletscher, den Albsfelder Tannen, entwickelten sich kräftige, schlanke und gerade Stämme. Das Waldgebiet Albsfelder Berg fällt mit seinen 80 Metern über NN im Flachland schon von weitem auf: Auf einer Endmoräne wurden, als die Gletscher der letzten, der Weichselvereisung, vor ca. 15000 Jahren abschmolzen und dadurch diese Anhöhe eisfrei wurde, Sandmassen zu mächtigen Binnendünen aufgehäuft. Der einheitlich feinkörnige, rundgeschliffene Sand einerseits, die nördlich und westlich vom Albsfelder Berg aufgefundenen, z.T. ungewöhnlich großen Windkanter andererseits belegen, dass in dieser Gegend über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende hinweg aus damals vegetationsloser Landschaft in unmittelbarer Nähe vor dem Gletscher ein nur jahreszeitlich vom bzw. zum Eis hin wehender Wind mit dem von den Schmelzwassern abgelagerten Sand gleich einem Sandstrahlgebläse die aus dem Eis herausgetauten Felsbrocken geschliffen hat.

Winter in Albsfelde
Winter in Albsfelde
Alter Ziehbrunnen in Albsfelde
Alter Ziehbrunnen

Diese so geschaffene Erhebung, mit Kiefern, Birken und knorrigen Eichen bestanden, war vor Jahren sogar in der damaligen DDR als Raketenstandort bekannt, trug lange Zeit (zur Tarnung?) einen hölzernen Funkmast und sollte auf Betreiben der ehemaligen Bundespost einen 173 Meter hohen Sendemast bekommen. Dagegen regte sich Widerstand. Engagierte Bürger aus Albsfelde, Lankau, Giesensdorf und sogar Ratzeburg schlossen sich zu einem Aktionsbündnis zusammen. Sehr schnell mussten sie die Erfahrung machen, dass für die Post andere Gesetze galten: Landschaftsschutzgebiet in Form des Naturparks Lauenburgische Seen, in dem keine störenden baulichen Veränderungen vorgenommen werden durften, interessierte nicht. Allein mit dem Argument „Gesundheitliche Beeinträchtigung durch Elektrosmog“ war es unter Mithilfe des damaligen Bundesumweltministers Dr. Klaus Toepfer gegen seinen Kabinettskollegen Postminister Bötsch bei gleichzeitiger intensiver Öffentlichkeitsarbeit möglich, den Bau dieses Monstrums zu verhindern. In der Folgezeit wurde die Bürgerinitiative wiederholt um Rat von anderen gleichartig bedrohten Gemeinden sogar in anderen Bundesländern ersucht, dem Vernehmen nach mit gutem Erfolg. Wenn wir auch den Bau des Riesenturmes verhindern konnten: Klammheimlich hat die Postnachfolgerin einen kleinen Stahlgitterturm mit diversen Sendeeinrichtungen speziell für den Mobilfunk bestückt. Es sollte zu denken geben, dass durchziehende Wildgänse, Kraniche und auch Saatkrähen ab einem gewissen Radius um den Turm herum signifikant ihr Verhalten ändern. Dabei stehen keine entsprechende Zeichen in der Landschaft. Die Tiere müssen die vom Turm ausgehenden Signale spüren, als störend empfinden. Scheinbar unbeeindruckt brüten im prächtigen Altbuchenbestand des Forstgebietes Berkenstrücken (die früher für Besenreisig genutzten Birkenstrünke lieferten den Namen) Kolkraben, hören wir im Gemeindegebiet balzende Kraniche, ruft seit einiger Zeit der Schwarzspecht wieder.

Die Hirschbrunft, deretwegen Naturfreunde oft sehr weit fahren, ist im Herbst bis in die Häuser zu hören. Ganz selten kann man sogar von Fredeburg herüber das markerschütternde Brunftgebrüll des dortigen Wisentbullen hören. Der allgegenwärtigen Luftsäure erliegen leider in zunehmendem Maße die wegen ihrer astarmen, geraden Stämme berühmten Eichen des vorderen Berkenstrücken. Sie dienten sogar als Saateichen. Wie die meisten Gemeinden befindet sich auch Albsfelde seit langem im Umbruch. Von den ursprünglich 5 Bauernstellen wird nur noch die bereits erwähnte Domäne landwirtschaftlich genutzt. Aber auch hier zeigt sich der Wandel: In die ehemaligen Gutsstallungen sind ein Reitstall bzw. eine Autowerkstatt eingezogen. Der Kuhstall des Bürgermeisters dient -wie schon erwähnt- als Gemeindesaal und Wahllokal ! Die Geflügel- und Bienenhaltung ist stark zurückgegangen. Hier wird kein Schwein mehr dick. Der Brandschutz wird von Ratzeburg übernommen. Zum Dank steht der Albsfelder Handspritzenwagen im Kreismuseum in Ratzeburg. Die derzeit wenigen Kinder fahren mit dem Schulbus nach Ratzeburg bzw. besuchen den Kindergarten in Buchholz. Das rege Gemeindeleben um seinen markanten Ziehbrunnen, den Soot, herum hat zur Folge, dass Albsfelde bei nahezu allen Wahlen mit überdurchschnittlicher Wahlbeteiligung von 80% und mehr glänzt. Eine Besonderheit fällt dem aufmerksamen Beobachter auf, wenn er von Lankau her über den Albsfelder Berg kommt: Dort, wo links die Buchen beginnen, steht gegenüber ein Grenzstein mit dem lübschen Doppeladler: Albsfelde ist - zusammen mit einigen anderen Gemeinden - eine lübsche Enklave aus den Hansezeiten. Die Erträge, besonders der Domäne, dienten zur Finanzierung des Heiligen-Geist-Stiftes, der Sozialeinrichtung des Lübecker Senats. Albsfelde: Der Name wird als „Albrechtsfelde“ gedeutet. Es besteht nachweislich, bezogen auf das berühmte Zehntregister, seit 1230. Archäologische Spuren weisen 3000, wenn nicht 4000 Jahre weiter zurück: Einfache Steinwerkzeuge wurden auf einem Grundstück beim Berkenstrücken gefunden. Ihre Machart und die Eigenheiten des Fundplatzes weisen sie der sogenannten Oldesloer Stufe zu. Damit sind sie gut 5000 Jahre alt. Ungewöhnlich groß ist die Häufung von bronzezeitlichen Hügelgräbern in den Albsfelder Tannen und -weniger gut erkennbar- auf dem Umfeld des Albsfelder Berges. Einige wurden in der Feldmark überpflügt und treten nur noch als sehr flache Erhebungen in Erscheinung. Erwähnenswert ist sicher auch folgendes: Im Albsfelder Gemeindegebiet gibt es keinen oberirdischen Abfluss. Das Niederschlagswasser sammelt sich in einigen Teichen, mit Tonschichten ausgekleideten natürlichen Senken, sogenannten Toteislöchern, ebenfalls aus der letzten Eiszeit, wenn es nicht gleich in den sandigen Böden versickert. Unter Hinweis auf diese gute natürliche Drainage wurde von den Bewohnern die vorübergehend geforderte Installation von Tropfkörpern statt der bis dahin ortsüblichen Sickergruben abgelehnt. Mittlerweile ist Albsfelde an das Amtsklärwerk an der B 207 bei Einhaus angeschlossen. Ihr Trinkwasser erhält die Gemeinde von den Möllner Stadtwerken. Erdgas kommt aus Ratzeburg.

Einen Großteil der Verwaltung besorgt das Amt Lauenburgische Seen. Albsfelde - eine kleine Gemeinde ! Eine unbedeutende Gemeinde ?

Kartenausschnitt der Gemeinde und Umgebung